Okt 31 2008
Reformationstag 2008 – heute!
Wieder Feiertag!
Heute ist Feiertag in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, also den mehrheitlich evangelisch geprägten Ländern! Es ist der Reformationstag, der an die Reformation erinnert, die 1517 mit dem berühmten Wittenberger Thesenanschlag von Martin Luther ihren Anfang nahm. 1967 wurde dieser Feiertag in der DDR abgeschafft, 1990 im Zuge der Wiedervereinigung wieder eingeführt. In den westlichen Bundesländern ist der Reformationstag kein gesetzlicher Feiertag, dafür der nächste Tag, der 1. November “Allerheiligen”. â Als Brauch, besonders in Sachsen und Umgebung, gibt es vor oder während des Reformationstages bei vielen Bäckern die sogenannten Reformationsbrötchen bzw. im Dresdner Raum auch das Reformationsbrot. Worin sich dieser Brauch begründet, ist indes nicht geklärt. Die Form des Gebäcks erinnert übrigens an eine Lutherrose.
Hintergrund
Auf dem Sockel der Lutherfigur vor der St. Annenkirche zu Annaberg steht geschrieben:
Das Wort sie sollen lassen stahn’
Hie stehe ich, ich kann nicht anders.
Gott helfe mir! Amen.
Diese Zitate von Martin Luther nehmen Bezug auf die Ereignisse der Reformation. Ihm ging es um die Rückbesinnung auf das Wort Gottes (Die Bibel), als alleinigen Grund für die Kirche. Der zweite Satz erinnert an seinen Auftritt vor dem Reichstag in Worms, wo er die neue Lehre verteidigen sollte und sich dabei auf sein Gewissen beruft.
Natürlich wird der Reformationstag in evangelischen Kirchen mit besonderen Gottesdiensten begangen. Deren “Inhalt ist weniger das Gedächtnis des Thesenanschlags als die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben, die für Luther Auslöser und Kern der Reformationsbewegung war”, wie es in der Wikipedia treffend heißt.
Die Reformation war eines der wirkungsmächtigsten Ereignisse im Abendland und hat Auswirkungen bis heute. Sie hat nicht nur die Kirche(n) verändert und uns die Evangelische hervorgebracht, sondern Veränderungen in Staat, Kultur, Kunst usw. bewirkt. Von daher ist es nur richtig, wenn wir dies auch mit einem Feiertag würdigen. Noch dazu im “Osten”, wo die Reformation ihren Ausgang nahm. Schön wäre es jedoch, wenn der Reformationstag ein bundesweiter Feiertag wäre bzw. würde, denn er (bzw. die Reformation) hat unsere Nation entscheidend mitgeprägt.
© 2008, David Decker. All rights reserved.
9 Kommentare











Auch diese Haltung (Text von der Historikerin Prof. Ursula Hohmann) von Martin Luther sollte man am Feiertag nicht unter den Altar kehren. In diesem Punkt scheinen Katholiken (ich bin katholisch) und Protestanten noch immer irgendwie in Übereinstimmung zu liegen. Vielleicht ist es von daher auch gut so, dass dieser Feiertag nicht landesweit begangen wird. Oder erst dann, wenn sich die Kirchen endlich – gemeinsam – von diesem anderen Luther distanzieren.
Luther blieb Juden gegenüber unversöhnlich bis in den Tod
Bis in seine Todesstunde hinein hat Luther es nicht verkraftet, dass die Juden die Messianität Jesu ablehnten. Am 1.Februar 1546, achtzehn Tage vor seinem Tod, schrieb er aus Eisleben seiner Frau Katharina in Wittenberg: “Ich bin gar schwach gewesen auf dem Weg hart vor Eisleben, das war meine Schuld. Aber wenn du da gewesen wärest, so hättest du gesagt, es wäre der Juden oder ihres Gottes, des Teufels, Schuld gewesen. Denn wir mussten durch ein Dorf hart vor Eisleben, darinnen viele Juden wohnen, vielleicht haben sie mich so hart angeblasen.” In seiner letzten Predigt, drei Tage bevor er starb, hat er in seiner Geburtsstadt Eisleben die Christen noch einmal aufgefordert, die Juden zu vertreiben, falls sie sich nicht bekehren ließen. Wir wollen sie dann, so sagte Luther wörtlich, “bei uns nicht dulden noch leiden.” Sein Eifer für das Evangelium war blind geworden. Es war ein Eifer ohne Vernunft und ohne Verstand.
Sicherlich muss man Luthers Äußerungen über Juden aus ihrem geschichtlichen Kontext heraus betrachten. Denn genau genommen hat sich der Reformator mit seiner Judenfeindschaft durchaus in Gesellschaft mit dem Geist seiner Zeit befunden, allerdings in keiner guten. Aber es kann und darf uns nicht trösten, dass Bevölkerung und Obrigkeit damals oft noch intoleranter über Juden dachten und noch grausamer mit ihnen verfuhren als Luther. Die volle Übereinstimmung mit dem Zeitgeist entschuldigt ihn jedoch keineswegs. Mit christlicher Ethik wären schon damals seine “wutgeborenen” Ratschläge, wie Juden zu behandeln seien, nicht zu begründen gewesen. Luther in all seinen Denk- und Handlungsweisen zu verstehen und freizusprechen, fällt schwer. Gerade ein Mann wie er sollte an seiner individuellen Intelligenz, Einsichtsfähigkeit und seinen eigenen moralischen Ansprüchen gemessen werden. So bleibt Trauer, dass ein großer Mensch nicht weiser war, weil er nicht erkannt hat, dass der Absolutheitsanspruch seiner Religionsauffassung mit der Freiheit des Menschen, die er so gerne für Christen in Anspruch nahm, nicht zu vereinbaren ist. Luther war eben nicht nur genial und ein großer Erneuerer auf kirchlichem Gebiet. Er war auch rechthaberisch und fand selten Zwischentöne, wenn er über andere urteilte.
Heinz Zahrnt befasst sich in seinem 1983 erschienenen Buch “Martin Luther in seiner Zeit – für unsere Zeit” auf immerhin drei Seiten mit Luthers Sinneswandel, von dem er meint, dass er sich mit “rationalen Gründen überhaupt nicht erklären” lasse. Dieses traurige Kapitel fasst Zahrnt folgendermaßen zusammen: “Die volle Übereinstimmung mit seiner Zeit….entschuldigt ihn nicht. Er hat in jedem Fall zur Erhöhung des Schuldkontos der Christen gegenüber den Juden beigetragen.” Luther war in seiner Grundeinstellung der Verkörperer der religiösen Intoleranz. Er konnte es nicht verkraften, dass jemand die Messianität Jesu ablehnte.
Dennoch gab und gibt es immer noch Versuche, dieses Kapitel in seinem Leben als eine schlimme Entgleisung aus der Beurteilung seines theologischen Werkes auszuklammern, weil es für seine Lehre und sein Wirken angeblich nicht typisch sei. Die Realität der jüngeren deutschen Geschichte ist indessen viel zu schrecklich, als dass wir diesen Zug an Luther außer acht lassen oder glätten könnten. Seine Ratschläge über den Umgang mit Juden entsprechen fast wörtlich dem Programm des späten Antisemitismus und der Rassenpolitik in Deutschland, die in sich folgerichtig auf eine “Endlösung der Judenfrage” hinsteuerte. Man darf Luthers Antisemitismus auch nach 450 Jahren noch abscheulich finden und nicht nur als historisch bedingt abtun.
Herr Schicker, ihr Engagement in allen Ehren, doch sie schießen wieder mal übers Ziel hinaus! Keiner hat die Absicht, diese bekannten Fakten zu verschweigen! Auch mir sind sie seit langem bekannt und ich finde das auch traurig, sie zeigen einmal mehr, dass auch Luther ein ganz normaler, fehlbarer Mensch war, der nicht überall Einsicht hatte. Jeder Mensch hat seinen blinden Fleck, ich betone: Jeder! — Dennoch schmälert dies für mich nicht Luthers Vermächtnis. Und genau an dieses Vermächtnis erinnert der Reformationstag.
Ich hoffe sie können dennoch diesen Feiertag genießen
Wieso schieße ich über das Ziel hinaus, nur weil ich Luthers Wort gerecht werden will: “Die Wahrheit muß herführ!” Ich weiß ja, wie unbequem die Erinnerung an diesen anderen Luther noch immer ist. Ich habe auch nicht Luthers Vermächtnis in seinen kulturellen Leistungen, wie Sie sie aufgezählt haben, – insbesondere auch für die Sprache – geschmälert (ich schon gar nicht, hier ist nur ein Text von einer klugen Frau abgedruckt worden!). Und wenn Luther ein so einfacher, normaler, fehlerhafter Mensch war, wie er ihnen beigebracht wurde, dann kann man ihn auch in diesem Punkt kritisieren. Die Kritik geht aber nicht zuerst an den Menschen Luther, sondern an die einseitige Darstellung dieser großen Figur der Zeitgeschichte durch die Kirchen.
Und was meine Genussfähigkeit dieses Feiertages angeht, so darf ich Ihnen sagen, dass Luther in Ungarn so gut wie gar keine Rolle spielt, was ich manchmal bedauere – schon der protestantischen Aufklärung wegen, die dieses Land dringend bräuchte. Dafür haben wir aber gleich drei staatliche Feiertage (15. März, 20. August, 23. Oktober), die hier immer mit großer patriotischen Euphorie und katholischem Glockenklang begangen werden…
Also guten Appetit weiterhin beim Kauen meiner altbackenen “Reformationsbrötchen”.
Naja, ganz einfach: jemand schreibt was über eine Person oder ein Ereignis und jemand anderes heftet kurzerhand alle Verfehlungen der Person oder des Ereignisses hintenran. Das ist zwar Wahrheit, aber es hat nichts mit Sensibilität zu tun.
Es ging hier nicht um eine Luther-Biographie, sondern um ein Erinnern an den Reformationstag. — Ein Link zur Wikipedia oder einer anderen Quelle hätte es doch sehr wohl auch getan?!
Glück auf! David
Seit wann und wo war Luther sensibel…!?
…das bezog sich doch gar nicht auf Luther, sondern allgemein! Ich kann mit der Wahrheit auch die Leute erschlagen, Wahrheit alleine tötet, wenn sie nicht in Liebe gesagt wird (auch ein biblischer Grundsatz). Nochmals: es ging hier um die Würdigung der Reformation, keine ausführliche Luther-Biographie (wo all diese Sachen dann natürlich reingehören, ohne Frage). Ich denke, das ist ausreichend klar geworden.
Glück auf! David
Da ich ja nun mit der Kirche, welcher Form auch immer, überhaupt nichts am Hut habe, nur soviel: Wir haben durch diesen Feiertag diesmal ein verlängertes Wochenende, was vor allem die Kinder freut. Also nehmen wir es gelassen und gehen entweder in uns oder raus in die Natur.
)
Wir haben die Bibelstunde verstanden… – es gibt wirklich Wichtigeres!
Find ich ehrlich gesagt ein bißchen schade, dass es mir nicht gelungen ist, mal auf diesen Tag und seinen Hintergrund hinzuweisen. Ich hoffe der geneigte Leser macht sich dennoch ein paar Gedanken dazu und läßt sich nicht von der unseligen Verzerrung ablenken. Dieses andere Thema hat ja auch seine Berechtigung – vielleicht zu anderer Zeit.
Glück auf! David