Feb 07 2009
Sprachverkauf
Oder: Sonst keine Probleme? Was kommt als Nächstes?

Verkaufsfördernder Aufsteller vor dem `Jeans Corner´ in Annaberg, Februar 2009 (Foto: DECKERWEB)
Schlußverkauf heißt jetzt “Sale”. Am Freitag, den 6. Februar wurde ich wieder daran erinnert, als ich kurz in Annaberg am Markt vorbei auf die Buchholzer Straße ging. Vor dem “Jeans Corner” ein Aufsteller: “Sale” – ebenso beim “S.Oliver”-Shop, gleich ein großes Banner: “Sale”. – Man kratzt sich verlegen am Kopf und fragt sich, ob noch alles in Ordnung ist.
Grundsätzlich frage ich mich jedoch, was dieses Theater eigentlich soll? Ich empfinde das als Anbiederei und absolut unnötig. Die deutschen Worte “Schlußverkauf” (Sommer wie Winter…) oder “Angebote” sprechen für sich und jeder versteht sie. Was ein “Sale” ist, weiß dagegen niemand, wohlgemerkt der Chance, dass es die Bürger nicht mal auf “Englisch” aussprechen mögen …

Verkaufsförderndes Banner am `S.Oliver´-Shop in Annaberg, Februar 2009 (Foto: DECKERWEB)
Warum schreibe ich das hier? Gibt es nicht wichtigere Sachen? Jawohl, gibt es. Und was soll dann dieses Rumgejammere? Ich empfinde das wie gesagt als eine sprachliche Verirrung, die völlig unnötig ist und dabei sogar den Geschäften schaden kann, weil sie nicht mehr verstanden werden. Es drückt ein seltsames Verhältnis zur Muttersprache aus und wenig Sprachgefühl. Vielmehr vermittelt dieses Denglisch-Gehopse mit “Sale” den Anschein, dass man irgendwelchen vermeintlichen Trends hinterherhechelt.
Dabei möchte ich klarstellen, dass ich nichts gegen die beispielhaft genannten Händler habe, ganz im Gegenteil! Es geht mir nur um die Verdeutlichung des Sachverhalts und dass wir mal drüber nachdenken. Ähnlich erging es mir im Januar 2008 bei einem Aufenthalt in Hamburg. Im ganzen Stadtzentrum waren die Schaufenster mit “Sale” zugekleistert. Man kam sich richtig unwirklich vor bei diesem Sprachverkauf…
Was ich mich ebenso frage: Wann werden die Schilder wieder komplett eingedeutscht und wann erscheint vielleicht ein zweisprachiges Verkaufsschild mit Deutsch/ Tschechisch? Das wäre ja mal eine Entwicklung in die richtige Richtung!
… und ja: Ich kenne die ganzen Argumente, von wegen Touristen aus anderen Ländern in der Stadt, von wegen Sprache entwickelt sich und so. Alles bekannt, alles nicht stichhaltig. Wir haben eine herrliche Muttersprache und sollten sie pflegen. Wenn wir es nicht tun, wer dann?
© 2009, David Decker. All rights reserved.
6 Kommentare











“SALE” ist halt kürzer als “Winterschlussverkauf”. Passieren halt weniger Rechtschreibfehler. Und außerdem siehts besser aus als ein “Winter-Schluss-Verkauf” und so einem “WinterSPARvergnügen”. Irgendwie verkommt unsre deitsche Sprache immer mehr… Aber Anglizisten sind dabei nicht das vorrangige Problem. Auch die “Ich-schreibe-alle-zusammengesetzten-Wörter-mit-Bindestrich-Schreiber” und die geistreichen Wortschöpfer der etwas älteren Medien ziehen im Kreuzzug für ein einfaches Denglisch kräftig mit.
Allein schon dieses Bindestrich-schreiben. Da wird aus einem Unfallopfer ein Unfall-Opfer, oder wie war gleich nochmal die Geschichte mit dem Inzest-Monster? Da greift man sich doch an den Kopf! Nur weil wir beim Lesen dann weniger denken müssen, was zwangsläufig die weiter Verdummung vorantreibt. Ob das die Flut von Wissens-Sendungen eindämmen kann?
Nur mal so: es gibt ja offiziell keinen Winterschlussverkauf mehr.
)
)
)
Und “Sale” ist tatsächlich kürzer wie z.B. “Schnäppchen” oder “Preishammer” oder “Sonderangebote”.
Wie wird Sale eigentlich ausgesprochen? Etwa wie man’s schreibt oder etwa “Sääl” oder “Sell” oder…???
Ja lassen wir doch die der englischen Sprache nicht mächtigen Leute mal grübeln
Im Übrigen heißt “sale” übersetzt nichts anderes als “Verkauf”, nur mal für die Engländer.
Und dass in den Geschäften was verkauft wird, dass dürften auch die ausländischen Touristen wissen, es sei denn, es wären alles nur Ladendiebe.
PS: Im Übrigen würde “Ausverkauf” oder “Schlussverkauf” im englischen “clearance sale” heißen. Die Briten werden mit Sicherheit schmunzeln…
@Wanderfolk Geyer:
Klar, “sale” ist weitaus kürzer und sowas zählt ja heutzutage auch – kurz und knackig, außerdem kann man besser, schneller, preisgünstiger die Schilder/ Banner machen lassen. Versteh ich alles, würd ich auch so machen.
Mein Ansatz geht dahin: Klare Sprache, die “unser” ist und die alle verstehen! Es gibt ja so einen Spruch, was die (Schul-) Kinder lesen und verstehen können, das ist für alle Menschen verständlich und nachvollziehbar.
Das mit den Bindestrichorgien ist wirklich nervig, geb ich euch vollkommen recht. Wobei, ich überleg auch manchmal beim Tippen/ Schreiben, es sind einfach so viele Neuschöpfungen und Kombinationen möglich. Und hierzulande ist der Bindestrich sehr beliebt – sieht man auch den vielen Domainnamen mit Bindestrich – in GB oder den USA wird das meist alles zusammengefaßt (einfacher und schneller zu tippen!). Zu den Bindestrichorgien kommen ja bisweilen auch noch die Apostrophverirrungen…
@Thomas Jacobi:
Ja, du und Wanderfolk haben sowas von recht: offiziell gibt es diese zwei Schlussverkaufswochen ja nicht mehr – jeder kann das machen oder auch nicht, oder das ganze Jahr über. Bloß “sale” finde ich unverständlich. Hab auch schon mal Passanten woanders flüstern bzw. buchstabieren hören: “s-a-a-l-e” – also ausgesprochen wie der Fluß Saale mit langem “a”. Da kann man dann nur noch schmunzeln und sagen, dass es für sowas bereits bekannte Worte in der *eigenen* Sprache gibt.
In USA würde niemand auf die Idee kommen an seine Schaufenster “Schlussverkauf” oder “Verkauf” oder “Angebot” zu schreiben – ich meine jetzt genau diese deutschen Worte. Wir würden das wohl auch noch auf Russisch rantapezieren, wenn man uns sagen würde, das sei modern und das würde man jetzt so machen…
Aber ich glaube wir sind uns wohl ziemlich einig bei dem Thema, wie ich sehe
Danke und schönes Wochenende euch! Glück auf!
Heute heißt es ” Juice shop”,
früher “Saftladen” -
am Inhalt hat sich kaum etwas geändert.
Nächste Woche auf dem Wordcamp werden wir ja auch hier und da eine Session (richtig geschrieben?) besuchen
im Jentower.
Das beste bisher war ja Douglas mit “Come in and find out” .
Vor den Läden würde ja ein großes Prozentzeichen schon reichen. Das versteht auch jeder, das muss dann auch nicht in alle Sprachen übersetzt werden.
Für an diesem Thema noch tiefgründiger interessierte Blogger (!) = Tagebuchschreiber?!:
http://vds-ev.de/anglizismenindex/texte/Blockbuster_Zumutungen.php