Aug 26 2009
500 Jahre Annaberger Bergordnung – europa- und weltweite Bedeutung Veranstaltung am 5. September in der Annaberger Bergkirche
Ein besonderes Jubiläum wird in diesem Jahr in der Berg- und Adam-Ries-Stadt Annaberg-Buchholz gefeiert. Vor 500 Jahren ließ der
sächsische Herzog Georg der Bärtige, der Stadtgründer, die Annaberger Bergordnung von 1509 drucken. Sie gilt als erste umfassende Bergordnung in Deutschland. Alle Bereiche des Bergbaus werden darin im Detail geregelt.
Rechte und Pflichten der Anteilseigner (der Gewerken) sind ebenso benannt wie Aufgaben und Rechte der einzelnen Berufsstände. Darüber hinaus gibt es Regelungen zu den Bergbeamten, zum Bergwerk und den Bergleuten, zum Hüttenwesen und den Hüttenarbeitern.
Aufgrund ihrer Komplexität erlangte die Annaberger Bergordnung in kurzer Zeit hohe Bedeutung und entfaltete eine Vorbildwirkung für andere
Bergreviere. Bereits ab 1511 erhob sie Herzog Georg zur Bergordnung für das Herzogtum Sachsen. 1518 übernahm Joachimsthal die Annaberger Bergordnung fast wörtlich. Diese Joachimsthaler Bergordnung galt, insbesondere nach ihrer Überarbeitung im Jahr 1548, für den größten Teil der böhmischen Länder.
In ihren Grundzügen war die Annaberger Bergordnung bis 1851 in Sachsen, bis 1854 in Böhmen, Mähren und Schlesien und bis 1865 in Preußen gültig. Darüber hinaus übernahmen viele Bergreviere in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent das Regelwerk.
Melchior Lotter, ein angesehener Leipziger Verleger, druckte die Annaberger Bergordnung. Er veröffentlichte auch zahlreiche Schriften des Reformators Martin Luther, u. a. seine 95 Thesen. Heute sind noch drei Originale der Bergordnung in der Universitätsbibliothek Leipzig, in der Bergakademie Freiberg und in der Bayrischen Staatsbibliothek München vorhanden. Vorläufer der Annaberger Bergordnung von 1509 waren die Bergordnung von 1493 für Geyer, Ehrenfriedersdorf und den Schreckenberg sowie die Schreckenberger Bergordnung von 1499, die als erste gedruckte Bergordnung in Deutschland gilt. Am Schreckenberg wurde am 28. Oktober 1491 ein Silbergang entdeckt, der am 21. September 1496 zur Gründung der „Neuen Stadt am Schreckenberg“ führte, dem späteren Annaberg. Bereits 1503 sind etwa 700 Zechen im Annaberger Bergrevier nachgewiesen. Von daher war ein Regelwerk dringend notwendig.
Anlässlich des Jubiläums laden die Bergknapp- und Brüderschaft „Glück auf“, die Stadt sowie Bergbaufreunde und Historiker am Samstag, dem 5. September um 15.00 Uhr in die einzige bergmännische Sonderkirche Sachsens, die Bergkirche St. Marien am Annaberger Markt ein.
Der Historiker Reinhart Unger wird sich dabei in einem aufschlussreichen Vortrag mit der Geschichte, dem Inhalt und der Bedeutung der Annaberger Bergordnung von 1509 befassen. Dabei wird auch eine Publikation mit dem Text der Annaberger Bergordnung von 1509 vorgestellt. Im Anschluss daran lädt ein traditioneller „Bergkommers“ mit typisch bergmännischen Speisen und Getränken ein.
Lebendige Bergmannstraditionen – Brauchtums- und Traditionspflege
In Annaberg-Buchholz ist der Atem einer fünfhundertjährigen Bergbaugeschichte noch heute in vielfältiger Weise spürbar. Nicht zuletzt
deshalb beteiligt sich die Stadt am Projekt „UNESCO-Welterbe – Montanregion Erzgebirge“.
In Annaberg-Buchholz gibt es – einmalig in Deutschland – die Chance, gleich in drei bedeutende Silbergruben des 16. Jahrhunderts einzufahren. Heute werden sie als Besucherbergwerke von zwei engagierten Vereinen und der Stadt betrieben. Der „Dorotheastolln” stellt die reichste Fundstätte des Annaberger Grubenreviers dar, der “Markus-Röhling-Stolln” die tiefste und „Im Gößner” besteht die Möglichkeit, mitten in der historischen Altstadt zu den historischen und monetären Wurzeln der Stadt vorzudringen.
Die frühesten Darstellungen der Technologie des Silberbergbaus in Sachsen sind in der Annenkirche mit dem berühmten Bergaltar von Hans Hesse (1521) und in der Buchholzer Katharinenkirche mit dem Wolfgangsaltar (um 1515) zu besichtigen. Der Frohnauer Hammer – einst städtische Münze und Bergschmiede – repräsentiert ein bedeutendes Technisches Denkmal der Bergbaugeschichte.
Im Adam-Ries-Museum, der Schatzkammer der Rechenkunst, können Besucher die Wirkungsstätte des Bergbeamten und Rechenmeisters Adam Ries in Augenschein nehmen, der von 1522/23 bis zu seinem Tod 1559 in der Bergstadt wirkte.
Darüber hinaus beherbergt das historische Annaberger Zentrum mit der Bergkirche „St. Marien“ die einzige bergmännische Sonderkirche
Deutschlands, die von 1502 bis 1511 errichtet wurde und ausschließlich mit Geldern der Bergknappschaft finanziert und betrieben wurde. Von September 2004 bis September 2005 wurde das geschichtsträchtige Gotteshaus denkmalsgerecht saniert. Heute beherbergt sie mit der „Bergmännischen Krippe“ eine Meisterleistung erzgebirgischer Holzbildhauerkunst.
Jährliche bergmännische Glanzlichter sind im zweiten Sonntag im Januar der traditionelle Berggottesdienst, das Frohnauer Bergfest und die
Internationale Mineralienbörse am letzten Juli-Wochenende, am 2. Adventssonntag der jährliche Bergmannsadvent, an dem neue Figuren der
Bergmännischen Krippe der Öffentlichkeit vorgestellt werden sowie die große Bergparade am vierten Adventssonntag mit Bergmannsvereinen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Nicht zuletzt gibt es mit der Bergknapp- und Brüderschaft “Glück auf” Frohnau/Annaberg-Buchholz e.V, dem Bergmusikkorps „Frisch Glück“, den
Vereinen “Markus-Röhling-Stolln” und “Dorotheastolln” sowie den Annaberger Heimatforschern aktive Interessengemeinschaften, die sich die bergmännische Traditionspflege und die Bewahrung bergmännischer Sachzeugnisse auf ihre (Berg-)fahne geschrieben haben.
[Quelle: Pressestelle Stadt Annaberg-Buchholz]
Weitere Artikel im Blog: Bergmännische Krippe in der Bergkirche St. Marien
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