Sep 08 2009
500 Jahre Annaberger Bergordnung – Bergmannstage vom 18. bis 20. September
Ein besonderes Jubiläum wird in diesem Jahr in der Berg- und Adam-Ries-Stadt Annaberg-Buchholz gefeiert. Vor 500 Jahren ließ der sächsische Herzog Georg der Bärtige, der Stadtgründer, die Annaberger Bergordnung von 1509 drucken. Sie gilt als erste umfassende Bergordnung in Deutschland. Alle Bereiche des Bergbaus werden darin im Detail geregelt.
Anlässlich des Jubiläums der Bergordnung laden Stadt, Vereine, Kirchen und touristische Einrichtungen vom 18. bis 20. September 2009 zu Bergmannstagen ein. Entdeckertouren über und unter Tage, Sonderführungen, ein „Besuch“ des deutschen Rechenmeisters Adam Ries und Schauschmieden im Hammerwerk sind dabei nur einige der Angebote.
Der Markus-Röhling-Stolln, einst tiefste Fundstätte des Annaberger Bergreviers feiert das 15jährige Bestehen des Besucherbergwerks.
Lehrkarussell der Wismut, historische Wismut-Kneipe, bergmännische Musiken und eine Sonderführung am 20. September ab 16.30 Uhr stehen auf dem Programm. 500 Jahre Bergbaugeschichte werden über und unter Tage lebendig.
Im Stadtteil Cunersdorf lädt die einst reichste Fundstätte des Annaberger Bergreviers, der Dorotheastolln, an allen drei Tagen von 10.00 bis 14.00 Uhr zu Sonderführungen und Entdeckertouren in sonst nicht zugängliche Bereiche, zu Bergmannsschmaus und Bergmannstrunk sowie zu Bootsfahrten unter Tage ein. Außerhalb dieser Zeiten wird um Voranmeldung unter Tel. (03733) 66218 gebeten.
Im Erzgebirgsmuseum mit dem Besucherbergwerk „Im Gößner“ können die Besucher mitten in der Annaberger Altstadt zu den Wurzeln der Stadt
vordringen. Am 19. und 20. September werden um 10.00 Uhr Sonderführungen in sonst nicht zugängliche Bereiche angeboten. Eine Voranmeldung unter Tel. (03733) 23497 ist dafür unbedingt notwendig. Im Erzgebirgsmuseum sind zahlreiche bergmännische Sachzeugnisse, wie z.B. Karten, Münzen, Kunst, Geleucht, Mineralien und Silberstücke ausgestellt.
Gleich gegenüber lädt die Annenkirche zu Sonderführungen am berühmten Bergaltar von Hans Hesse ein. Das 1521 entstandene Werk gilt als erste
umfassende Darstellung der Technologie des Silberbergbaus in Sachsen. Darüber hinaus werden den Besuchern bergmännische Zeugnisse, wie z. B. der Knappe am Kanzelaufgang, das Röhlingsche Epitaph, Bergleute sowie Bilder mit bergmännischen Inhalten nahe gebracht.
In der Bergkirche „St. Marien“ wird an diesem Wochenende mit Sonderführungen auf die einzige bergmännische Sonderkirche Sachsens aufmerksam gemacht. Die geplante Restaurierung von Altar und Altarbild mit seinen bergmännischen Themen und die bergmännische Krippe, eine Meisterleistung erzgebirgischer Holzbildhauerkunst, stehen dabei besonders im Blickpunkt.
Die Bergkirche wurde zwischen 1502 und 1511 errichtet und ausschließlich mit Geldern der Bergknappschaft finanziert.
In der Buchholzer Katharinenkirche ist bereits am 13. September der Wolfgangsaltar von Hans Hesse zu besichtigen. Das um 1515 entstandene Werk ist die wahrscheinlich erste Darstellung bergmännischer Themen in Sachsen.
Am 19. September führt ab 16.30 Uhr die erste Familienwanderung „Buchholzer Ausblicke“ zu den schönsten Buchholzer Aussichtspunkten. Sie endet am Bergbaudenkmal Halde 116 / Heilige Drei Könige im oberen Teil der Stadt.
Im Adam-Ries-Museum lädt am 19. September um 14.00 Uhr der deutsche Rechenmeister „höchstpersönlich“ zu einer Sonderführung ein. Sie steht unter der Überschrift: „Adam Ries – der Bergbeamte“ und stellt seine Tätigkeiten im sächsischen Bergbau vor. Darüber hinaus können Besucher die Rechenschule und die Schatzkammer der Rechenkunst in Augenschein nehmen.
Auch im Frohnauer Hammer gibt es spannende Infos und Aktionen. Dabei wird die Geschichte des Bierschnabelstollens erzählt, dem ältesten und längsten Entwässerungsstollen für die Bergreviere Buchholz, Frohnau und Cunersdorf.
Am 20. September wird zum öffentlichen Schauschmieden eingeladen.
Historisches Hammerwerk, Blasebälge und Schmiedfeuer sind wie in alter Zeit wieder voll in Betrieb. Der Frohnauer Hammer ist das erste Technische Denkmal in Sachsen. Im 16. Jahrhundert war hier die herzögliche Münze untergebracht, später wurde die einstige Mühle zu einem bedeutenden Hammerwerk umgebaut.
Europa- und weltweite Bedeutung der Annaberger Bergordnung
Die Annaberger Bergordnung von 1509 bildet ein bedeutendes Grundwerk für das deutsche und europäische Bergwesen. Aufgrund ihrer Komplexität erlangte sie in kurzer Zeit hohe Bedeutung und entfaltete eine Vorbildwirkung für andere Bergreviere. Bereits ab 1511 erhob sie Herzog Georg zur Bergordnung für das Herzogtum Sachsen. 1518 übernahm Joachimsthal die Annaberger Bergordnung fast wörtlich. Diese Joachimsthaler Bergordnung galt, insbesondere nach ihrer Überarbeitung im Jahr 1548, für den größten Teil der böhmischen Länder.
In ihren Grundzügen war die Annaberger Bergordnung bis 1851 in Sachsen, bis 1854 in Böhmen, Mähren und Schlesien und bis 1865 in Preußen gültig. Darüber hinaus übernahmen viele Bergreviere in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent das Regelwerk.
Geradezu revolutionär waren darin die Bestimmungen im Arbeitsrecht: Eine Wochenarbeitzeit von Montag bis Sonnabend, der freie Sonn- und Feiertage für den Gottesdienstbesuch und die Einführung des Dreischichtsystems.
Daneben enthielt die Bergordnung mit den Regelungen für die Anteilseigner am Bergwerk eine Art frühes Aktiensystem.
[Quelle: Pressestelle Stadt Annaberg-Buchholz
Bild: René Goldschadt]
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