Jan 23 2010

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René Goldschadt

Gedanken über das neue Logo des Erzgebirges: Gedacht. Gemacht. – Abgelacht!

Wieder mal: Echt Erzgebirge!
Neues Logo: Gedacht. Gemacht. – Abgelacht!

Wenn man die Begründungen für das neue Erzgebirgs-Logo verfolgt, liest man so etwas wie Scham auf eine Jahrhunderte alte Tradition heraus: Man habe Sorge, dass die Region mit dem bisherigen Slogan „Echt Erzgebirge“ zu sehr mit Weihnachten und Männelmachern in Verbindung gebracht werde, meint die Chefin vom REK (Regionales Entwicklungs- und Handlungskonzept“, Heike Friedrich aus Annaberg. Schließlich seien an die 30% der Werktätigen in anderen Wirtschaftsbranchen beschäftigt. Deshalb wolle man zukünftig mehr die Wirtschaftsregion in den Vordergrund stellen und nicht so sehr das, was das Erzgebirge weit über seine Grenzen als weltweit einmaligen Landstrich bekannt gemacht hat: Weihnachten im Erzgebirge mit all seinen Männeln, Pyramiden, Schwibbogen, Nussknackern und den unzählig beleuchteten Fenstern… „Einen Landstrich, in dem zu jeder Zeit Weihnachten zu sein scheint – wo gibt es den noch einmal auf der Welt?!“, wie kürzlich welterfahrene Ausländer nach ihrem wiederholten Besuch im Erzgebirge schwärmten. Und waren es nicht gerade die Männelmacher, die sowohl nach den großen Krisen im Erzgebirge (u.a. Niedergang des Silberbergbaus, Weltwirtschaftskrise, zwei Weltkriege) wie auch heutzutage viele Menschen in Lohn und Brot halten und das Image des Erzgebirges errichtet und bis heute international geprägt haben? Und die Industrie, über die das Erzgebirge verfügt, ist in anderen Gebirgsregionen auch angesiedelt. Von daher sind – mit Ausnahme der Posamentenindustrie – diese Industrieprodukt nicht typisch für das Erzgebirge. „Echt Erzgebirge“ ist somit ein Markenzeichen für etwas ganz Spezifisches, Einmaliges, regional Typisches, was nicht tautologisch mit dem Plagiat-Abwehr-Hinweis „Original Erzgebirge“ auf den Holzfiguren gleichgesetzt oder verwechselt wird, wie man argumentiert, sondern vielmehr die Echtheit noch durch Originalität ergänzt. Es gibt Regionen in Deutschland, die wären froh, wenn sie über einen derartigen Image-Hintergrund verfügten.

Da man dieses einmalig gewachsene Image offenbar für zu profan, zu provinziell, zu unattraktiv, also nicht echt erzgebirgisch befand, hat man die Chemnitzer Werbeagentur „zebra“ damit beauftragt (ob nach erfolgter Ausschreibung und wer die Mitbewerber mit welchen Ergebnissen waren, ist nicht bekannt), eine neue „Dachmarke“ zu kreieren, unter der Berücksichtigung, „dass die Stärke unserer Region die Menschen in der Hand- und Kopfarbeit sind“, wie es in der PR-Erklärung vom REK heißt. Als hätten die anderen Regionen keine Menschen, die über derartige Stärken verfügen.

ERZGEBIRGE-GEDACHT-GEMACHT

ERZGEBIRGE-GEDACHT-GEMACHT

Die seit 1991 erfolgreich agierende Werbeagentur mit Thomas Pfefferkorn und Joerg G. Fieback an der Spitze von weiteren 34 Kreativen, die sich ansonsten hauptsächlich verkaufsfördernde Slogans und umsatzsteigernde Verpackungen für solche Produkte wie u.a. Rondo-Kaffee, Burger Knäckebrot, Bautz´ner Senf, Zetti Knusperflocken, Florena Kosmetik oder Bärlauch-Butter einfallen lassen, haben nun über eine Region mit über 500.000 Menschen nachgedacht, wie man es macht, um auf diesem bisher unerfahrenen Terrain (wenn man mal von den Marketing-Bemühungen um die Stadt Chemnitz absieht), die 6,6 Millionen Euro Umsatz aus dem Jahre 2008 weiter zu steigern. Gedacht. Gemacht. Und fertig war der neue, einmalige, umwerfend geniale, weil so typischer Slogan, die so genannte Dachmarke für die Erzgebirgsregion unter der sich auch das alte Logo behütet wissen darf. Und damit man weiß, wo derart kreativ gehandelt wird (und keine Verwechslung mit der Herstellung von Senf oder Knusperflocken möglich ist), setzt man in Großbuchstaben den Namen der Region – diesmal ERZGEBIRGE – in Großbuchstaben darüber. Einfach genial! Oder? Eine Weiterverwendung dieser epochalen Marketing-Idee wäre u.a. denkbar für „Thüringen – Gedacht.Gemacht.“ „Hessen – Gedacht.Gemacht.“ „Afrika – Gedacht.Gemacht.“ oder eben „Bärlauchbutter – Gedacht.Gemacht“… Über die Vergabe der Urheber- und Vermarktungsrechte dieser eben gemachten Gedächtnisleistungen kann gerne per Mail mit dem hier schreibenden Kreativisten verhandelt werden.

Und damit nicht jemand auf die Idee kommt, dass man vielleicht überall im Lande zuerst denkt und dann handelt, sondern nur im Erzgebirge, („macht, machen“ waren Worte, die schon im Deutschunterricht in der Schule nicht gerne gesehen und gehört wurden), hat man zur Schrift noch zwei fette, grüne Striche erdacht und einen orangefarbenen Punkt dazu gemacht. Ob diese Ortsbezeichnung (Logos) nun eine grüne Erzgebirgswiese mit dem Fichtelberg (Pöhlberg, Bärenstein, Scheibenberg) und der aufgehenden – oder vielleicht hier eher untergehenden – Sonne (eventuell auch Mond?) darstellen soll, bleibt der denkenden Fantasie des Betrachters überlassen. Der kann sich aber auch lebhaft ein kleines, echt erzgebirgisches Reiterlein aus Olbernhau darunter vorstellen, was allerdings weder von den Kreativen aus Chemnitz, noch vom Regionalmanagement Erzgebirge beabsichtigt gewesen sein dürfte. Übrigens: Das „Reiterlein“- oder Helios-Miriquiri-Logo darf nicht allein benutzt werden, sondern immer nur im Zusammenhang mit den zukunftsweisenden Worten unter den erzenen Lettern. Und wer die sinnreiche Allerweltsunterzeile „Gedacht. Gemacht.“ weglassen möchte, wird laut Nutzungsvertrag bei den Kreativisten nicht gerade Freunde hinzu gewinnen. Im Vertrag gibt es strenge Regeln zur Verwendung und Verwertung dieser bisher unübertroffenen Denkleistung, die mit Fördermitteln aus dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr finanziell – Summen waren bis dato nicht zu ermitteln – unterstützt und vom sympathischen und pfiffigen Landrat Frank Vogel mit den Worten geadelt wurde: „Das neue Logo verkörpert das, wofür das Erzgebirge zukünftig bekannt sein soll: eine moderne Wirtschaftsregion mit pfiffigen, sympathischen Menschen“, die aber dazu vermutlich überhaupt nicht gefragt, sondern eher negativ davon überrascht wurden. Und auch die zwölf Bürgermeister von den größten Städten haben auf dem 20. Regionalkonvent ihren Segen zum neuen Dach-Logo gegeben. Hätten sie vorher etwas gründlicher darüber nachgedacht, hätten sie vielleicht Derartiges nicht mitgemacht, – aber so war die Entscheidung dann eben doch wieder „Echt Erzgebirge!“ Ein Slogan, der übrigens keiner ist, sondern nur die schlichte, Image-bewahrende und weder weg zu denkende noch irgend wie weg zu machende Wahrheit über diese Region und ihre Menschen, die über den neuen Marketing-Geck nicht nur nachgedacht und sich nicht nur Gedanken dazu gemacht, sondern auch kopfschüttelnd darüber abgelacht haben…

Gotthard B. Schicker im Januar 2010

PS: Den Antrag für das neue Logo des Erzgebirgskreis finden Sie hier.

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7 Kommentare

7 Kommentare zu: “Gedanken über das neue Logo des Erzgebirges: Gedacht. Gemacht. – Abgelacht!”

  1. Thomas Jacobiam 23. Januar 2010 um 17:30 1

    Ja, da haben wir es wieder von den Nicht-Erzgebirgern aus Chemnitz präsentiert bekommen: die Erzgebirger sind nicht in der Lage, ein einfaches Logo selbst zu entwickeln.
    Aber davon mal abgesehen, was sich das Regionalmanagement Erzgebirge, vertreten durch die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH dabei “gedacht” hat, solch ein Logo überhaupt zuzulassen, bleibt deren Geheimnis.

  2. René Goldschadtam 24. Januar 2010 um 20:43 2

    “Bügeleisen”, “verhinnerter Schlietenfahrer” habe ich schon gehört, es wird weitere Bezeichnungen geben. Internetportale wie Mister Wong oder Spreadshirt haben Ihre Leser gefragt. Haben von Nutzern der Portale Entwürfe öffentlich einreichen lassen. Im Kreise der Nutzer wurde diskutiert und gewertet und am Ende gemeinsam entschieden. Ich bin mir sicher, ähnliches hätte auch hier passieren können. Erik Schulze aus Oberwiesenthal betreut auf Facebook die Seite ERZEGBIRGE –> http://www.facebook.com/home.php?src=fftb#/photo.php?pid=3086320&id=128975769442&comments – da gibt es reichlich Diskussion zum Thema.
    Der Beitrag unseres Gastautors Prof. Gotthard Schicker kann da weitere Denkanstöße geben.
    Ich hoffe ja die Diskussion geht weiter und bewirkt ein Mehr bei der Einbeziehung, insbesondere der jüngeren Generation per Internet in diese Prozesse. Letztlich wird sie es sein, die auch mit diesem Logo leben werden wird – Und was viel wichtiger ist, dieals Botschafter unserer Region in alle Welt fahren und von uns hier berichten und einladen.

  3. Thomas Pfefferkornam 29. Januar 2010 um 16:05 3

    Übers Erzgebirge wird gesprochen – weiter so!

    Als Geschäftsführer der zebra Werbeagentur in Chemnitz schließe ich mich der Diskussion über das neue Erscheinungsbild des Erzgebirges gerne an. Schließlich sind wir die Agentur, die Logo und Claim im Auftrag des Regionalmanagement Erzgebirge entwickelt haben.

    Zunächst freut es mich, dass über das Logo so lebhaft diskutiert wird. Und ich kann durchaus nachvollziehen, dass die Beurteilung in einigen Beiträgen negativ ausfällt. Werbung ist und bleibt eben oftmals Geschmacksache. Umso mehr freut es mich, dass wir auch viel positive Resonanz bekommen haben.

    Neben subjektiven Meinungen gibt es auch objektive Fakten, die bei der Beurteilung des Logos und des Claims herangezogen werden sollten. Zum Beispiel, dass das Erzgebirge die größte Industriedichte in Sachsen hat. Oder dass im Erzgebirge Spitzenleistungen im Bereich Maschinenbau, Elektrotechnik und Automobilteile erbracht werden. Und die Tatsache, dass das in den entscheidenden Wirtschaftskreisen schlichtweg nicht bekannt ist. All das verlangte nach einem neuen, modernen und klaren Erscheinungsbild. Unter dieser Prämisse haben wir in unserer Agentur sehr viele Logos ausgearbeitet, kontrovers diskutiert und schließlich dem Regionalmanagement Erzgebirge unsere zahlreichen Favoriten zur Auswahl präsentiert. Dass man dort das jetzige Logo ausgewählt hat, können wir nur voll unterstützen. Denn es ist ein erster Schritt zu zeigen: Das Erzgebirge kann mehr als nur Weihnachten.

    Das Erzgebirge ist vielmehr eine aufstrebende Wirtschaftsregion – das symbolisiert die noch oben führende Schwinge im Logo. Der Berg steht für die markante Mittelgebirgslandschaft, für eine lebenswerte Region. Der Punkt führt das Ganze schließlich zu einem lächelnden Gesicht zusammen, angelehnt an den Smiley als internationales Kommunikationszeichen. Er steht für die Freundlichkeit und den Ideenreichtum der Erzgebirger.

    Wir beabsichtigen mit unserem Entwurf nicht, die über Jahrhunderte gewachsene Kultur im Erzgebirge unter den Tisch zu kehren und gegen ein neues, wirtschaftsfreundliches Image auszutauschen. Es geht vielmehr darum, Wirtschaftsverantwortlichen außerhalb des Erzgebirges zu zeigen, dass in dieser Region viel mehr an positiver Energie steckt. Das soll auch der Claim „Gedacht. Gemacht.“ zum Ausdruck bringen. Schließlich war das Erzgebirge schon immer eine Region von Machern. Von Menschen, die immer wieder vor dem Nichts standen und sich dennoch eine neue Zukunft aufgebaut haben. Mit cleveren Ideen und tatkräftigem Anpacken. Eine Befragung in erzgebirgischen Unternehmen zeigte, dass es besonders die qualifizierte Ausbildung, die positive Einstellung zur Arbeit und die „Macher-Mentalität“ sind, die die Menschen im Erzgebirge auszeichnen. Das ist ein großer Wert in Wirtschaftskreisen, den es zu kommunizieren gilt.

    Warum eine Chemnitzer Agentur dies tun soll? Mal abgesehen von unseren Referenzen – auch in unserer Agentur arbeiten Menschen aus dem Erzgebirge. Unser für die Grafik verantwortlicher Geschäftsführer stammt aus Aue, ich selbst aus Eibenstock. Wir sind im Erzgebirge aufgewachsen und haben dort immer noch Familie und Freunde. Wir kennen die Region und ihre Menschen. Es ist unsere Heimat. Und die wollen wir noch stärker machen.

    In vielen Reaktionen wurde die Kampagne „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ des Landes Baden-Württemberg als positives Beispiel genannt. Unbestritten ist dieser Auftritt die Messlatte für alle anderen Länder- und Regionenkampagnen. Doch was viele vergessen: Als die Kampagne vor über zehn Jahren eingeführt wurde, liefen viele dagegen Sturm. Manchmal brauchen gute Ideen eben etwas Zeit.

    Und zum Thema Austauschbarkeit: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ wurde ursprünglich gar nicht für Baden-Württemberg, sondern für ein anderes Bundesland erdacht. Dort lehnte man die Idee aber ab. Welches Bundesland das war? Sachsen.

    Glück auf!

    Thomas Pfefferkorn
    Geschäftsführer zebra Werbeagentur GmbH, Chemnitz

  4. Gotthard B. Schickeram 31. Januar 2010 um 13:25 4

    Herr Pfefferkorn fordert uns in seiner obigen Gegenargumentation auf, weiter s o über das Erzgebirge zu sprechen. Warum eigentlich so und nicht endlich anders? Außerdem war – nicht erst bei Goethe – am Anfang die Tat vor dem Wort! Reden allein nützt demnach nichts, wenn nicht auch entschiedene Handlungen folgen. Und dass davor gedacht werden muss, bevor man etwas Gemachtes präsentieren kann, versteht sich von selbst. Räumen wir also mit ein paar Unbedachtheiten auf, die hier vom Leiter der Chemnitzer Werbeagentur in seinen Abwehrregationen gegen begründete andere Meinungen gerechtfertigt werden sollen:

    1.Ein Logo ist niemals nur „Geschmackssache“(auch nicht in der Werbung), wie hier behauptet wird. Es ist vielmehr die sinngebende Verbindung von Form und Inhalt. Allein das Wort Logo impliziert „Lehre“, „Sinn“ – nicht nur im Griechischen. Erwarte wird von einem Logo jene Unverwechselbarkeit, die das Image eines Unternehmens, eine Produktes oder – wie in unserem Falle – einer ganzen Region einprägsam vermittelt, also nicht zuletzt einen starken Verweischarakter in sich trägt und repräsentiert. Und da Herr Pfefferkorn auch noch mit dem Claim-Begriff argumentiert, so soll festgestellt bleiben, dass dieses hier verwendete Wort stellvertretend für den alten „Slogan“ bei der Form-Inhalt-Repräsentation – auch eines regionalen Copyright Identity (CI) – insbesondere den Inhalt verstärkt. Mit dem Claim wird ein zentrales Versprechen kommuniziert, eine Vision auf der Grundlage eines so genannten Alleinstellungsmerkmals formuliert. Wenn wir nun diese Theorie an der von der Agentur gelieferten Praxis messen, so kann man diese Arbeit nur als völlig daneben gelandet bezeichnen: „Gedacht. Gemacht.“ – sind zudem auch noch retrospektive Vokabeln, die nicht das Vorausdenken und das derzeitige und künftige Handeln als Vision haben, sondern bereits Abgeschlossenes (Gedachtes), Verewigtes (Gemachtes) beschreiben. Nichts also von Aufbruchstimmung einer Industrieregion, sondern eher die ungewollte Reflexion des Erzgebirges in seinem Ist-Zustand, ohne Entwickungsperspektive ?!– zumindest nicht in diesem Logo mit seinem Claim. Gänzlich unprofessionell ist allerdings die Tatsache, dass Herr Pfefferkorn tatsächlich den bedauernswerten Versuch unternimmt, sein Logo der staunenden und kopfschüttelnden Erzgebirgs-Gemeinde zu erklären. Ein Logo, das nicht für sich selbst sprechen kann, verdient eigentlich nicht diesen schönen und geistreichen Namen. Die Macher dieses Produktes würden bei jeder PR-Prüfung durchgefallen sein, – außer natürlich bei Bautz´ner Senf, Knäckebrot und Bärlauchbutter…
    2.Leider ist Herr Pfefferkorn nicht auf die zahlreichen ablehnenden, sarkastischen, heiteren – letztlich aber vernichtenden Lesermeinungen in den örtlichen Medien eingegangen, sondern verschanzt sich lediglich hinter ein paar wenigen Zustimmungen, deren Motive dafür möglicherweise auf Unwissenheit, Naivität oder Gleichgültigkeit beruhen, falls sich nicht eigene merkantile oder lobbyistische Interessen dahinter verbergen. Wir können getrost davon ausgehen, dass etwa 90% der Bevölkerung des Erzgebirges eine solche PR-Arbeit für das Erzgebirge ablehnen, weil sie nicht nur von falschen Voraussetzungen ausgeht und somit das Image dieses Gebietes falsch widerspiegelt, sondern auch deshalb, weil die Erzgebirger, also die Protagonisten dieser Region, in die demokratische Entscheidungsfindung bei einer solch wichtigen Angelegenheit nicht mit einbezogen wurden. Diese selbstherrliche Entscheidung hat die Erzgebirger tief getroffen, weil man ihnen die Identifikation mit dieser Form der Darstellung ihrer Region, beschädigen wollte – was natürlich durch ein solches daneben liegendes Logo nicht erreicht werden kann – aber auch der Versuch wird „bestraft“.
    3.Herr Pfefferkorn erklärt, dass den verantwortlichen Entscheidungsträgern mehrere Logo-Varianten vorgelegen haben. Er sagt uns allerdings nicht, wer denn die Mitbewerber von anderen Agenturen waren. Offenbar kamen diese Varianten alle aus seinem Hause, so dass sich die Verantwortlichen lediglich für das kleinere Übel entscheiden konnten und das lächerliche, nichtssagende aber sicherlich gut bezahlte Logo (bei allen hilflosen Interpretationsversuchen seitens der Agentur) nun gut finden müssen. Man kann aber davon ausgehen, dass dieses Logo kaum Verwendung finden wird und man den Rat geben sollte, unbedingt noch einmal mehrere Agenturen (mindesten drei bei einer korrekten Auftragsvergabe!) bitten müsste, entweder ein wirkliches sinnbezogenes Logo zu entwickeln, bzw. bei dem bereits eingeführten und weithin akzeptierten Logo/Caim „Echt Erzgebirge“ zu verharren… Bei diesem Logo ist keine Austauschbarkeit möglich, weil hier alle wesentlichen Fach-Kriterien, wie sie übrigens meine PR-Studenten bereits im 2. Studienjahr verinnerlicht haben, recht gut erfüllt sind. Und wer wünschte es sich nicht, dass die Wirtschaft im Erzgebirge weiteren – oder erst mal überhaupt – Aufschwung erlebt? Als echter Erzgebirger kann ich dem nur herzergreifend zustimmen. Aber niemals wird die Wirtschaft als erzgebirgisches Markenzeichen das Image dieser Region bestimmen, so dass ein derartiges Logo gerechtfertigt wäre (eine durchgreifende Renaissance der Posamentenindustrie ist ja wohl nicht in Sicht! Oder? Und all die anderen Gewerke gibt es in anderen Regionen ebenfalls!).
    4.Das Erzgebirge wird beides bleiben und werden: Eine in Deutschland einmalige, besondere und typische, weil traditionsreiche Gegend (Beispiele hierfür erübrigen sich), gestützt auf seine Industrie- und Handelsentwicklung. Die Haupteinnahmequelle zum Erhalt der Region und zur Verbesserung der Lebensweise ihrer Einwohner wird mittel- und langfristig der Tourismus in seinen verschiedenen, in den hier möglichen und noch längst nicht ausgeschöpfter Varianten sein. Dafür muss man sich nicht schämen, bekanntlich leben davon ganze Staaten auf dieser Welt – und mitunter gar nicht so schlecht. Deshalb sollten sowohl die geistigen (denken – nicht „gedacht“) als auch die materiellen Potentiale und Reserven (machen – nicht „gemacht“) in die Tourismus-“Industrie“ des Erzgebirges intensivst investierte werden. In diesem Zusammenklang wird diese Region überleben und vielleicht eines Tages wieder erblühen können, dafür braucht es allerdings etwas geistvolleres in Form und Inhalt als dieses Nicht-Logo, damit das Image dieser gescheiten Region nicht durch möglicherweise merkantile und lobbyistische Schnellschüsse beschädigt wird. Reden wir also nicht nur s o („Gedacht.Gemacht.“) weiter über das echte Erzgebirge, sondern denken und handeln wir endlich gemeinsam und zukunftsorientiert für unsere traditionsreiche Heimat…!

    Gelickauf!!
    Gotthard B. Schicker

  5. Jörg Sattleram 10. Februar 2010 um 19:23 5

    Ja, das Erzgebirge hat sich verändert. Es ist eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen Mitteldeutschlands geworden. Die Anzahl der Unternehmer in der Region ist so hoch wie kaum anderswo. Sie denken und machen. Vielleicht in es ein Indiz für den sich vollzogenen Wandel, wenn Herr Prof. Schicker, bissig das traditionelle Bild verteidigt welches er aus seiner Jugendzeit, in der er im Erzgebirge vor 50 Jahren lebte, abgespeichert hat. Das Erzgebirge hat sich entwickelt, die Menschen haben sich entwickelt. Und so werden Aufmerksame auch die Vision hinter der Wort- und Bildmarke entdecken. Eine Vision die Zukunft gestaltet weil sie auf Traditionen basiert, nicht an ihnen festklebt.

    Über das Erzgebirge wird diskutiert – das empfinde ich genau so positiv wie Herr Pfefferkorn. Nun drücke ich den Gestaltern im Erzgebirge fest die Daumen, dass deren Botschafterkonzept aufgeht. Mit dem Blick auf das Ziel und einer Akzeptanz moderner, zielgruppenorientierter Ansprache werden sich auch sprachliche und gestalterische Skeptiker von dem erzgebirgischen Elan anstecken lassen!

    Jörg Sattler
    Geschäftsführer Institut für Zukunftskommunikation
    Geschäftsführer Verlag Wirtschaftsjournal

  6. Gotthard B. Schickeram 13. Februar 2010 um 12:34 6

    Es ist nur zu verständlich, wenn sich Herr Sattler aus betriebswirtschaftlicher Sicht und im Rahmen seiner hier werbewirksam angebrachten Funktionen für die wirtschaftliche Seite des Erzgebirges ins Zeug legt. Das ehrt ihn und hat meine Unterstützung. Dass er dabei meine wirtschaftlichen Argumente geflissentlich übersieht und mich zum Traditionalisten auf- oder eher abwerten möchte, ist dagegen ehrlos von ihm. Mehrfach kann man in meinen Argumenten gegen dieses Logo (und nicht gegen die Wirtschaftsentwicklung im Erzgebirge) feststellen, dass ich immer wieder die Einheit von Tradition u n d Innovation in den Mittelpunkt auch der Entwicklung im Erzgebirge gestellt habe, dessen Fortschritte ich genau in diesem Zusammenhang auch häufig vor Ort seit vielen Jahren nicht nur beobachte, sondern sogar mit gestalten helfe (ob mehr als Herr Sattler, bleibt in diesem Text offen). Ich kann also nicht erkennen, wo meine sachlich und mit zahlreichen Argumenten vorgetragene Kritik an diesem Un-Logo ein tradiertes Bild aus meiner Jugendzeit festschreiben sollte und noch dazu “bissig” verteidigt. Auf meine Argumente gegen das Logo sowie auf die überwiegende und sehr begründete Ablehnung seitens der Mehrheit der Erzgebirger geht Herr Sattler so gut wie nicht ein. Statt dessen bemüht er belehrende Versatzstücke aus der Mottenkiste eines allgemeinen PR, die keineswegs zielgruppenorientiert sind. Währen sie das, gäbe es nicht diese totale Ablehnung dieser undemokratischen Logo-Verpassung. Auch auf die Fragen zum Zustandekommen, der Auftragsvergabe und Finanzierung dieses Logos schweigt man. Es hat also wenig Zweck, sich weiterhin auf einer betriebswirtschaftlichen Verständigungsebene mit “visionärem Botschaftscharakter” zu bewegen, wenn die Voraussetzungen und offensichtlich auch der Wille zu einer Erkenntnis des Gesamtprozesses von Wirtschaft, Tradition, Psychologie und Ästhetik fehlt oder ein solches Denken abgelehnt wird (wenn Sie schon meine Texte nicht richtig lesen, dann nehmen Sie doch wenigstens die öffentliche und auch die veröffentlichte Meinung zu diesem Thema zur Kenntnis, werter Herr Sattler!). In einem solchen Falle kann ich mich nur dem Verhalten der großen “Zielgruppe” im Erzgebirge freudig anschließen und dieses Logo ignorieren. Denn auch ohne dieses verunglückte Produkt werden sich die Erzgebirger und ihre Region – auch gemeinsam mit ihren Menschen ohne Arbeit und Ausbildung – weiter innovativ u n d traditionell sowie voller Elan und wunderbaren Visionen gegen alle Skeptiker entwickeln… Was sollten sie denn sonst den ganzen Tag tun?!
    In diesem Sinne rufe ich allen Erzgebirgern (und auch den Erzgebirglern) oberhalb von Chemnitz ein herzliches und auch gern polemisches G l ü c k a u f zu!

    Gotthard B. Schicker

  7. Thomas Jacobiam 17. Februar 2010 um 18:36 7

    Für mich und auch für viele andere stellt sich eine ganz einfache Frage:
    Was ist an dem Spruch “Gedacht.Gemacht.” zufunftsweisend?

    Zwei Wörter, die, wenn man sie liest, eher Vergangenes aussagen bzw. einen vor vollendete Tatsachen stellen. Wo bleibt da das Innovative, das Neue, das Zukünftige, das Wachsende?

    Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es den meisten Erzgebirgern schwer fällt, sich damit zu identifizieren. Und das soll ja eigentlich ein solches Logo bewirken, oder?

    Ach ja, bitte dieses neue Erzgebirge-Logo nicht mit denen von Bautzener Senf, Knäckebrot oder andere vergleichen. Dies sind reine Produktlogos. Zudem gab es diese Produkte bereits, da hat man an die Logos noch gar nicht gedacht. Wie ich an andere Stelle schon mal schrieb: den Bautz’ner Senf könnte man auch ganz gut in einem einfachen Becher verkaufen, vorausgesetzt, es steht Bautz’ner Senf drauf. Das hat nämlich nichts mit dem Logo zu tun, dass dieser gekauft wird, sondern mit dem Produkt selbst, welches meiner Meinung nach auch besser ist wie das Logo. Aber das ist dann wohl eher Geschmackssache. :-)

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